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Amerikanisch abgedreht - Der Abyss 1266 Phi (Testbericht EAR IN)

Amerikanisch abgedreht

Die Headline verlangt eine Klarstellung: Ich meine das
nicht politisch, sondern auf den Kopfhörer Abyss AB 1266
Phi bezogen. Der ist nämlich ein positives Beispiel dafür,
dass es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eben
unbegrenzte Möglichkeiten gibt, die auch zu solch leicht
abgedrehten Produkten führen können.

Das hat Charme. So einfach mal in die Vollen, ohne
Rücksicht auf Kleinigkeiten wie Kostenkalkulation
(Erbsenzählerei), Ästhetik (Blödsinn, HiFi ist ein
Männerhobby) oder einfach alles, was nicht dem ultimativen
Klang oder solider Unzerstörbarkeit dient (if it brakes,
make it bigger). Ergonomie oder Passform? Da kann man
vielleicht geringfügige Zugeständnisse machen -
müssen wir noch darüber reden. Schließlich hat ja sogar
Harley die Sache mit dem Starrrahmen irgendwann aufgeben
und Federelemente an Motorrädern verbaut. Bis dahin hat es
aber auch ein Fahrradsattel getan. Nun kommt der Abyss AB
1266 Phi nicht aus Milwaukee, Wisconsin, sondern aus
Lancaster, New York, und zwar aus der Schmiede von JPS
Labs. Schwerpunktmäßig hat sich die Firma auf HiFi-Kabel
spezialisiert und vor einigen Jahren mit Abyss eine Marke
für kompromisslose, magnetostatische Kopfhörer etabiliert.
Und ja, den Vorgänger, den Abyss AB 1266, habe ich schon
vor drei Jahren an dieser Stelle einmal vorgestellt.
Zur diesjährigen High End hat Abyss aber die neue,
überarbeitete ''Phi'' Version mitgebracht, und der rührige
Deutschland-Vertrieb in Form von Uwe Heile hat mir den
neuen Wurd von Joe Skubinski, Chef und Mastermin von JPS
Labs, für einen Test zur Verfügung gestellt.

Ausstattung

Prinzipiell handelt es sich beim Abyss AB 1266 Phi um einen
offen gebauten, magnetostatischen Kopfhörer. Aber um was
für einen. Die Treiber werden einzeln von Hand bei JPC
beziehungsweise Abyss gebaut. Im Vergleich zum
Vorgängermodell haben die Amerikaner vor allem am
Magnetsystem gearbeitet – das große Phi ist unter anderem
die physikalische Bezeichnung für den magnetischen Fluss.
Okay, das Tüfteln an den Magnetstrukturen der
magnetostatischen Treiber gehört offensichtlich zu den
Lieblingsbeschäftigungen von Entwicklern magnetostatischer
Kopfhörer. Darüber hat mir schon Sankar Thiagasamudram,
Mitbegründer und Chefentwickler von Audeze, einen
stundenlangen Vortrag gehalten.
So auskunftsfreudig wie bei Audeze gibt man sich bei Abyss
leider nicht. Am ''Chassis'' hat sich offensichtlich wenig
getan. Der schwarz anodisierte Aluminiu-Bügel, an den die
Treiber starr befestigt sind, scheint mir unverändert. Und
auch das elastisch aufgehängte Kopfband aus Leder, das die
Konstruktion auf dem Kopf und über den Ohren schweben
lässt, scheint mit keine Veränderung erfahren zu haben. Die
magnetisch haftenden Ohrpolster aus Lammleder, die
weiterhin kaum Kontakt zu Ohren oder zum Kopf aufnehmen,
gab es auch schon beim Vorgänger. Kleine Veränderungen gab
es bei den elektrischen Parametern, die neue Version hat
mit 42 Ohm eine etwas geringere Impedanz und mit 88 dB
einen etwas höheren Wirkungsgrad als der Vorgänger. Auch
die aktuelle Version will über ein eigenes Kabel pro Kanal
symmetrisch angesteuert werden. Für das neue Modell bietet
JPS Labs auch ein gegenüber dem Serienkabel aufgewertetes
Austauschkabel an.

Passform

Passform? Kann man so eigentlich nicht sagen. Der AB 1266
Phi passt nicht, soll nicht passen, muss auch garnicht
passen. Zumindest nicht im üblichen Sinn. Wenn das Gerät
auf dem Kopfband über den Ohren schwebt, reicht das völlig.
So hält der Abyss sogar erstaunlich sicher. Gut, Headbangen
sollte man damit nicht, aber es ist kein Problem, den Kopf
zu neigen um an der Kaffeetasse zu schlürfen oder auch mal
nach dem auf dem Couchtisch vor einem liegenden
Plattencover zu greifen. Dabei bleibt der Kopfhörer, wo er
hingehört. Der große Vorteil eines so entspannten Sitzes,
bei dem die Ohrpolster kaum den Kopf berühren, ist, dass
Brillenträger kein Problem mit dem Abyss haben.

Klang

Mittlerweile ist auch bei einem Kopfhörer ein Preisschild
von 5.000 Euro kein Alleineinstellungsmerkmal mehr – da
hatte ich inzwischen auch andere in der Redaktion. Und von
Geräten wie einem Sennheiser HE1 (neuer Orpheus) für
mittlerweile 60.000 Euro oder einem HiFiMan Shangri-La, der
hier um die 70.000 Euro kosten würde, wollen wir mal gar
nicht reden. Innerhalb seines preislichen Umfeldes ist der
AB 1266 Phi sein Geld wer, das muss ich an dieser Stelle
ganz deutlich sagen. Was dieser Kopfhörer an Transparenz,
Auflösung und Details bietet, ist atemberaubend. Dass er
das Ganze immer in einem musikalischen Zusammenhang
belässt, macht Ihn perfekt. Ich kenne kaum einen Kopfhörer,
der ein großes Symphonieorchester so überzeugend abbilden
oder einen großen Konzertflügel in seinem gesamten
Facettenreichtum und seiner Komplesität so darstellen kann
wie der AB 1266 Phi. Und wenn Zaz in ''Je veux''
eindringlich singt, ''vergiss Dein Geld'', möchte ich Ihr
leidenschaftlich beipflichten. Allerdings – ohne Geld kann
man sich einen AB 1266 Phi niemals leisten.

Fazit : Klang 1 +

Auf Email Anforderung schicken wir den Test gerne als .pdf zu !

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